09.2019

Reto Leibundgut

‹CLEMENTINE›

7.4.-21.5.2016

 

Chambre II, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 80 x 60 cm
Chambre II, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 80 x 60 cm
Mohn, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 90,5 cm
Mohn, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 90,5 cm
ohne Titel (Baum), 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 156 cm
ohne Titel (Baum), 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 156 cm
Schaeferinnen, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 79 x 89 cm
Schaeferinnen, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 79 x 89 cm
ohne Titel (Schiff), 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 145 cm
ohne Titel (Schiff), 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, Durchmesser 145 cm
Chambre I, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 63,5 x 65,5 cm
Chambre I, 2016, Gobelin auf Holz, hinter Plexiglas, 63,5 x 65,5 cm

Seit dem Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigt sich Reto Leibundgut ausschliesslich mit gebrauchtem, altem “Material”. Er ist ein wahrer Materialliebhaber: Abfallholz, Spanplatten, Furnierholz, Leder, Plastik oder Textilien und Teppiche, alles wird sorgfältig gesammelt und weiterverwertet. Die umfangreichen “Material(an)sammlungen” machen denn auch die Essenz seiner Arbeiten aus. Aufwändig werden die verschiedenen Materialien verarbeitet und in einen neuen Kontext gestellt. Das Vulgäre wird zur Kunst gemacht, ebenso wie das billige Holz veredelt wird. Inhaltlich recycliert er nicht nur Material, sondern auch Bilder. Als Vorlagen dienen ihm etwa alte Gobelinstickereien, Stills aus Pornofilmen oder Fotografien. Mittels traditionellen, vermeintlich verstaubter Techniken, wie Intarsien oder Stickereien, werden Inhalte in eine neue Dimension transferiert und gewohnte Sehweisen hinterfragt.

Das Werk des Künstlers lebt von irritierenden Gegensätzen. So täuschen die Intarsien, die Teppiche, die Gobelins und Lederarbeiten eine handwerkliche Perfektion, die so perfekt nicht ist. Das Material und die Techniken überraschen, assoziiert man diese doch eher mit bürgerlichen Wohnwelten, Biederkeit und Langeweile. Er wählt oft naive Blumenmotive, wie Geranien oder Mohnblumen, die das kitschige Moment eines Gobelins extrem übertreiben. Die Motive der Gobelins oder Intarsien trotzen jedoch jeder miefigen Biederkeit. Zwischen edel und billig, zwischen Zärtlichkeit und Provokation, sucht Reto Leibundgut die Spannung zu halten.

Bei allen Arbeiten Reto Leibundguts handelt es sich um Kunst mit einer verwirrenden Direktheit, um Kunst, die sich alter Materialien und Techniken bedient und trotzdem höchst aktuell ist. Er führt uns an der Nase herum und evoziert mit der vermeintlichen Perfektion ein nicht zu leugnendes Unbehagen. Auf der einen Seite ziehen die minutiös gearbeiteten Stücke angenehm an, auf der anderen Seite wird man durch die rohe, grobe Machart manchmal abgestossen.

Für die Ausstellung CLEMENTINE hat Reto Leibundgut neue Gobelin Patchwork Arbeiten kreiert, wobei er die Verarbeitung und Technik geändert hat. Die Werke werden direkt flach auf das Holz geklebt und hinter Plexiglas präsentiert. Dadurch wirken sie schärfer, beziehen aber gleichzeitig den Betrachter und den Raum mit ins Bild ein. So sind verschiedene Blumenbilder, Landschaften, Interieurs oder scheinbar historische Bilder mit Schiffen aus dem 16. Jhd. entstanden.
Zusätzlich zu den Bildern sind skulpturale Arbeiten zu sehen, wie z.B. die zwei „Liebenden Fahrräder“, welche mit einem 6eckigen Gebilde aus alten Schranktüren spazieren fahren. Oder das neuste „Möbelstück“ des Künstlers; ein Sofa vollständig aus orangefarbigem Täfer, welches der Ausstellung seinen Titel gibt.