SUMMERPROJECT 2014:

Bernhard Giger: ‹KünstlerInnenporträts›

21.8.-6.9.2014

 

Bernhard Giger führt uns mit seiner persönlichen Sammlung von KünstlerInnenporträts auf eine Zeitreise durch die dynamische Kunstwelt der Siebzigerjahre. Mit seiner Kamera wusste der jetzige Leiter des Berner Kornhausforums die Zeit des Umbruchs in der amerikanischen und europäischen Kunstszene abzubilden. In Gigers Fotodokumentation sind einflussreiche Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts sowie nahezu vergessene Akteure kontextuell gleichgestellt.

Ausgangspunkt von Bernhard Gigers KünstlerInnenporträts war das Projekt Schubladen Museum von Herbert Diestel. Zum gleichen Zeitpunkt entstand aus einer sehr produktiven Zusammenarbeit mit Gerhard J. Lischka die kulturphilosophische Zeitschrift Der Löwe. Als belebende Persönlichkeit der Berner Kunstszene der «Siebziger» wendete Giger methodisch seine Fähigkeiten als Fotograf, Kulturjournalist und Filmemacher an. Auch die Kollaboration mit Lisbeth Kornfeld, der damaligen Leiterin der Berner Galerie, erweiterte seinen Zugang zu vielen Künstlern.

Es folgten zahlreiche Atelierbesuche bei nationalen und internationalen Kunstschaffenden. In
New York besuchte Giger Andy Warhol, Robert Indiana und Nancy Graves. In Paris traf er Roland Topor, in Düsseldorf verbrachte er Zeit mit dem Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher und traf in der dortigen Kunsthalle Christian Boltanski, und an der Art Basel 4 entstand ein Porträt von Joseph Beuys. Prägend für Giger waren seine Besuche bei den Wiener Aktionisten Hermann Nitsch, Otto Mühl, Günter Brus und Arnulf Rainer.

Giger hat mit grosser Aufmerksamkeit diese Momente der Begegnung festgehalten und sich diskret, beinahe zurückhaltend der Dokumentation gewidmet. Nuancierte und nüchterne schwarz-weiss Bilder präsentieren die KünstlerInnen zumeist in ihrem privaten Umfeld, ohne jedoch viel mehr zu enthüllen. Manchmal verrät eine Tasse oder ein Lächeln mehr über die Stimmung oder die Person als ihr Blick selbst, und bei einer genaueren Betrachtung wirken die oftmals schon familiären Porträts störend kalt oder gewinnen im Gegenzug an Spontaneität und Sympathie.

Das persönliche Archiv von Bernhard Giger wird diesen Sommer in der Galerie Bernhard Bischoff zum ersten Mal ausgestellt. Die Ausstellung fordert den Besucher auf, sich mit dem Umbruch in der Kunstwelt sowie mit der eng verbundenen gesellschaftlichen Krise der Siebzigerjahre auseinanderzusetzen.

Ann Huber-Sigwart, August 2014