Peter Wüthrich

‹DEEP STORAGE RELOADED›

24.5.-1.7.2017

 

 

Collection Buchfalter, 2015, Buchcoverschmetterlinge gerahmt, 85 x 110 x 7 cm
Mes Amis, 2017, Bücher auf T-Balken, Masse variabel
Literary Smoke - Marguerite Duras, 2016, Buchcover auf Zigarettenpackung
Pharmacie littéraire, 2016, Buchinnentitelseiten auf Flacons, Tabletten und Flüssigkeiten in Apothekerschrank, 160 x 200 x 50 cm
Cactus succulentus literally, 2015, Bücher fixiert und lackiert auf Möbel, 160 x 40 x 40 cm
Buchfalter - Mickey Spillane, 2014, Buchcoverschmetterlinge auf Colorprint, gerahmt, 130 x 90 x 7 cm
Novels - Nana | Novels - Lolita | Novels - Justine, 2017, Slips geschneidert aus Buchtextseiten, gerahmt, 37 x 50 cm
Collection Silva, I | Collection Silva, II | Collection Silva, III, 2016, Bücher auf MDF, je 90 x 63 x 4 cm
Literary Smoke - Shaw, 2017, Buchumschlag auf Zigarettenpackung, gerahmt, 25 x 25 x 4 cm
 

Seit längerer Zeit übt der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977) eine grosse Faszination auf den Künstler Peter Wüthrich aus. Nabokov, der in den 1950er Jahren mit dem Roman "Lolita" für Furore sorgte, war neben seiner Tätigkeit als Autor auch ein passionierter Schmetterlingsforscher und verfügte über eine immense Sammlung solcher Insekten. 20 Schmetterlingsarten hat Nabokov selber entdeckt.

Sowohl die Romane des Schriftstellers wie auch seine Leidenschaft für das Sammeln von exotischen Schmetterlingen bilden das inspirierende Material für die Werke von Peter Wüthrich. In der Ausstellung "Deep Storage Reloaded" zeigt er aktuelle Objekte, Zeichnungen und Installationen. Der Berner Künstler bezieht sich in zwei Arbeiten direkt auf Nabokov. Im Werk "Humbert Humbert (2015)" wird das geschriebene Wort des Romans "Lolita" zum All-over einer drapierten Bettwäsche. Das mit Text bedruckte Papier transformiert sich in weichen Stoff. An einen präparierten Insektenkasten erinnert "Collection Buchfalter (2015)". Die Arbeit besteht aus unterschiedlich grossen und farbigen Papierschmetterlingen, welche Wüthrich aus illustrierten Covers von Taschenbüchern schneidet und wie ein Lepidopterolog nach Farbe und Form in einer Vitrine arrangiert. Aus alten Apothekerschränken entstehen die "Pharmacies littéraires". Die mit Titeln der Weltliteratur angeschriebenen Flacons versprechen auf humorvolle Weise Abhilfe bei medizinischen Problemen. Die "Literary Portraits" sind Arbeiten auf Papier, die ebenso auf Klassiker der Welt- oder Trivialliteratur Bezug nehmen. Peter Wüthrich arbeitet hier mit Pinsel und Farbstift in freier Manier. Eher konzeptuell lesbar sind die abstrakten Wandarbeiten der Werkserie "Collections Silva". Der Künstler realisiert aus alten Büchern des Silva-Verlags monochrome Werke, die an die Tradition der konkreten Kunst und der Minimal Art erinnern.

Für seine Arbeiten greift Peter Wüthrich seit Beginn der 1990er Jahren hauptsächlich auf Bücher zurück, die er in Installationen anordnet oder zu Objekten transformiert. Sämtliche Bestandteile des Mediums wie Bucheinband, Titelblatt, Buchtitel und -seiten und auch Buchzeichen werden verwendet. Das Buch ist für den Künstler sowohl Informationsträger wie auch physisches Objekt. Peter Wüthrich spielt mit den vielen Facetten des Buchs und verleiht ihm eine poetische und humorvolle Note.

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf die Gruppenausstellung "Deep Storage. Arsenale der Erinnerung", bei der Wüthrich teilnahm und welche 1997 im Haus der Kunst München und im Kunstmuseum Düsseldorf gezeigt wurde. Peter Wüthrich (*1962) lebt und arbeitet in Bern. Er stellt regelmässig in Institutionen im In- und Ausland aus (u.a. Kunstmuseum Solothurn, Kunsthalle Winterthur, Kunsthaus Zürich, Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg, Kunsthalle Bremerhaven, Haus der Kunst München, Kunstverein Freiburg, Centre Pompidou Paris, Centro Galego de Arte Contemporanea Santiago de Compostela, Museum der Moderne Salzburg, Musée d' Art Moderne Luxembourg, University Museum of Contemporary Art Massachusetts, Aichi Prefectural Museum of Art, Nagoya).